Der Digitale Produktpass wird konkreter. Aber was bedeutet das eigentlich für Textilmarken?
In den letzten Monaten gab es unzählige Präsentationen, Webinare und LinkedIn-Beiträge zum Digital Product Passport (DPP).
Das Problem: Viele Aussagen basierten auf Entwürfen, Interpretationen oder einzelnen Gesetzestexten. Wer sich einen schnellen Überblick verschaffen wollte, musste sich durch technische Dokumente und juristische Formulierungen arbeiten.
Die Europäische Kommission hat nun erstmals ein offizielles FAQ-Dokument veröffentlicht. Es beantwortet viele der Fragen, die Unternehmen aktuell beschäftigen – von der Einführung über QR-Codes bis hin zur Speicherung der Produktdaten.
Die Antworten sind zwar noch keine endgültigen produktspezifischen Vorgaben. Dennoch zeigen sie deutlich, wohin die Reise geht.
In diesem Beitrag erklären wir die wichtigsten Erkenntnisse – einfach, verständlich und mit Fokus auf die Textilbranche.
Dann nimm diese drei Punkte mit:
Schauen wir uns die einzelnen Punkte genauer an.
Der Digital Product Passport entwickelt sich aktuell sehr dynamisch.
Die Europäische Kommission veröffentlicht nach und nach neue Dokumente, technische Standards und produktspezifische Vorgaben.
Dieser Artikel basiert auf den offiziellen FAQ der Europäischen Kommission, die im Februar 2026 veröffentlicht wurden. Wir haben das Dokument sorgfältig gelesen und die Inhalte nach bestem Wissen für Unternehmen aus der Textilbranche eingeordnet.
Dieser Beitrag ist keine Rechtsberatung und ersetzt keine produktspezifischen Vorgaben oder zukünftigen EU-Verordnungen. Unser Ziel ist es, komplexe Informationen verständlich zusammenzufassen und zu erklären, was sie nach unserer Einschätzung für Textilmarken und Bekleidungshersteller bedeuten könnten.

Die kurze Antwort
Noch nicht.
Für Textilien gibt es derzeit noch keine allgemeine Pflicht zum Digitalen Produktpass. Nach aktuellem Stand wird sich das voraussichtlich ab 2029 ändern.
Viele Unternehmen sehen die Jahreszahl 2029 und denken:
"Dann haben wir ja noch jede Menge Zeit."
Genau das kann jedoch trügerisch sein.
Denn die konkreten Anforderungen für Textilien sollen bereits 2027 veröffentlicht werden. Ab diesem Zeitpunkt wird deutlich, welche Informationen Unternehmen künftig bereitstellen müssen.
Die Europäische Kommission plant, die konkreten Anforderungen für Textilien voraussichtlich 2027 in einem sogenannten Delegated Act festzulegen.
Dort wird definiert,
Heute musst du noch keinen Digital Product Passport für deine Textilien erstellen.
Das bedeutet aber nicht, dass du bis 2029 warten solltest.
Je früher du deine Produktdaten strukturierst und verstehst, desto einfacher wird die spätere Umsetzung.
Die kurze Antwort
Nein.
Der QR-Code ist nur der Zugang.
Der eigentliche Digital Product Passport besteht aus den Informationen, die sich dahinter befinden.
Viele Diskussionen drehen sich aktuell um die Frage:
QR-Code oder NFC?
Dabei wird häufig vergessen, dass die eigentliche Herausforderung gar nicht der Datenträger bzw. der Trigger ist.
Die eigentliche Aufgabe besteht darin, die richtigen Informationen bereitzustellen.
Der Digital Product Passport soll als digitale Identität eines Produkts dienen.
Je nach Produktgruppe können dort beispielsweise Informationen hinterlegt werden über
Der QR-Code ist lediglich eine Möglichkeit, diese Informationen aufzurufen.
Statt sich heute ausschließlich Gedanken über den Trigger zu machen, lohnt sich eine andere Frage:
Welche Produktinformationen liegen in meinem Unternehmen eigentlich bereits digital vor – und welche noch nicht?
Genau dort beginnt die eigentliche Vorbereitung.
Bis hierhin wissen wir:
✅ Für Textilien besteht aktuell noch keine DPP-Pflicht.
✅ Der DPP ist deutlich mehr als ein QR-Code.
Die kurze Antwort
Das steht noch nicht fest.
Im Internet liest man häufig:
"Der Digital Product Passport wird über einen QR-Code umgesetzt."
Das klingt eindeutig.
Ist es aber nicht.
Die Europäische Kommission nennt ausdrücklich verschiedene mögliche Datenträger.
Dazu gehören unter anderem
Welche Technologie später für eine bestimmte Produktgruppe verwendet wird, entscheidet sich erst in den produktspezifischen Vorgaben.
Es gibt aktuell keinen Grund, sich frühzeitig auf eine bestimmte Technologie festzulegen.
Viel wichtiger ist es, Systeme aufzubauen, die flexibel genug sind, verschiedene Datenträger unterstützen zu können.
Denn am Ende zählt nicht der QR-Code.
Entscheidend sind die Informationen dahinter.
Die kurze Antwort
Nein.
Das ist wahrscheinlich eines der größten Missverständnisse rund um den Digital Product Passport.
Viele Unternehmen haben Sorge, künftig sämtliche Produktdaten an eine zentrale EU-Datenbank übertragen zu müssen.
Nach aktuellem Stand ist genau das nicht vorgesehen.
Die Europäische Kommission plant zwei zentrale Bestandteile:
Die eigentlichen Produktinformationen sollen jedoch dezentral gespeichert werden – entweder direkt beim jeweiligen Unternehmen oder bei einem spezialisierten DPP-Service-Provider.
Das zentrale Register dient hauptsächlich dazu, die Produkte eindeutig zu identifizieren und auf den richtigen Datensatz zu verweisen.
Du behältst die Kontrolle über deine Produktinformationen.
Die EU möchte diese Informationen zugänglich machen – nicht selbst verwalten.
Gerade für Unternehmen mit sensiblen Produktdaten ist das eine wichtige Erkenntnis.
Der Digital Product Passport entwickelt sich Schritt für Schritt.
Was heute bereits feststeht:
✅ Für Textilien gibt es noch keine Verpflichtung.
✅ Der DPP ist weit mehr als ein QR-Code.
✅ Welche Technologie verwendet wird, ist noch offen.
✅ Produktdaten bleiben grundsätzlich dezentral gespeichert.
Und genau das macht deutlich:
Der wichtigste Schritt besteht momentan nicht darin, einen QR-Code auszuwählen.
Der wichtigste Schritt besteht darin, die eigenen Produktinformationen zu verstehen und strukturiert verfügbar zu machen.
Im zweiten Teil schauen wir uns an, welche Chancen der Digital Product Passport für Marken bietet, warum freiwillige Informationen eine größere Rolle spielen könnten als viele denken und weshalb 2027 für Textilunternehmen wahrscheinlich wichtiger wird als 2029.

Die kurze Antwort
Ja.
Genau das macht den Digital Product Passport so spannend.
Wenn vom Digital Product Passport die Rede ist, denken viele zuerst an neue Pflichten.
Die Europäische Kommission beschreibt den DPP jedoch deutlich breiter.
Er soll nicht nur dabei helfen, gesetzliche Anforderungen zu erfüllen, sondern auch Informationen entlang des gesamten Produktlebenszyklus verfügbar machen.
In den offiziellen FAQ nennt die Europäische Kommission unter anderem folgende Vorteile:
Mit anderen Worten:
Der DPP soll nicht nur Behörden helfen.
Er soll Informationen für alle Beteiligten leichter zugänglich machen – vom Hersteller über Händler bis hin zum Endkunden.
Je früher Unternehmen ihre Produktdaten strukturiert aufbauen, desto größer kann der spätere Nutzen sein.
Denn dieselben Informationen, die für regulatorische Anforderungen benötigt werden, können häufig auch für andere Zwecke eingesetzt werden.
Zum Beispiel für:
Vielleicht wird der größte Mehrwert des DPP am Ende gar nicht die Erfüllung einer Pflicht sein.
Sondern die bessere Nutzung von Informationen, die heute oft an unterschiedlichen Stellen im Unternehmen liegen.
Die kurze Antwort
Ja.
Nach aktuellem Stand dürfen Unternehmen freiwillige Informationen ergänzen.
Viele gehen davon aus, dass der Digital Product Passport ausschließlich aus Pflichtangaben besteht.
Die offiziellen FAQ zeigen jedoch ein differenzierteres Bild.
Neben den verpflichtenden Informationen dürfen Unternehmen freiwillige Daten ergänzen – solange diese klar von den Pflichtinformationen getrennt sind und die Funktionsweise des DPP nicht beeinträchtigen.
Das eröffnet interessante Möglichkeiten.
Natürlich wissen wir heute noch nicht, welche freiwilligen Inhalte sich langfristig etablieren werden.
Denkbar wären beispielsweise:
Ob und wie Unternehmen diese Möglichkeiten nutzen, wird sich in den kommenden Jahren zeigen.
Fest steht aber:
Der Digital Product Passport könnte sich von einer reinen Informationspflicht zu einer zusätzlichen digitalen Schnittstelle zwischen Marke und Kunde entwickeln.
Bis hierhin wissen wir:
✅ Der DPP dient nicht nur der Regulierung.
✅ Unternehmen können künftig möglicherweise deutlich mehr mit ihren Produktinformationen anfangen.
✅ Freiwillige Inhalte könnten dabei eine wichtige Rolle spielen.
Die kurze Antwort
Nein.
Entscheidend ist nicht, wo ein Unternehmen sitzt.
Entscheidend ist, ob die Produkte auf dem europäischen Markt verkauft werden.
Viele internationale Marken produzieren außerhalb Europas.
Trotzdem gelten die europäischen Anforderungen, sobald Produkte in der EU in Verkehr gebracht werden.
Die Verpflichtungen gelten grundsätzlich auch für importierte Produkte.
Die Verantwortung liegt jeweils bei dem Wirtschaftsakteur, der das Produkt auf den europäischen Markt bringt.
Gerade international tätige Marken sollten den DPP nicht als rein europäisches Thema betrachten.
Je globaler Lieferketten werden, desto wichtiger wird ein strukturierter Umgang mit Produktinformationen.
Du musst dir nicht jede Verordnung merken.
Für den Moment reichen diese drei Zeitpunkte:
Die technische Infrastruktur des Digital Product Passport nimmt Gestalt an.
Voraussichtlich werden die konkreten Anforderungen für Textilien veröffentlicht.
Nach aktuellem Stand plant die Europäische Kommission die Einführung des Digital Product Passport für Textilien.
Diese Zeitplanung kann sich durch zukünftige Gesetzgebungsverfahren noch ändern.

Muss ich heute bereits einen Digital Product Passport für Kleidung bereitstellen? Nein. Für Textilien besteht derzeit noch keine allgemeine Verpflichtung. Die konkreten Anforderungen werden voraussichtlich erst mit den produktspezifischen EU-Regelungen veröffentlicht.
Wird der Digital Product Passport immer über einen QR-Code umgesetzt? Nicht zwingend. Die Europäische Kommission nennt aktuell verschiedene mögliche Technologien. Welche Lösung später verwendet wird, hängt von der jeweiligen Produktgruppe ab.
Werden meine Produktdaten bei der EU gespeichert? Nein. Nach aktuellem Stand bleiben die Produktdaten grundsätzlich dezentral gespeichert. Das EU-Register dient vor allem der eindeutigen Identifizierung und Verknüpfung.
Sollten Unternehmen trotzdem schon heute mit der Vorbereitung beginnen? Aus unserer Sicht ja. Nicht, weil bereits eine Verpflichtung besteht. Sondern weil gut strukturierte Produktdaten unabhängig vom Digital Product Passport viele Vorteile bieten können – von effizienteren Prozessen bis hin zu einer besseren Transparenz gegenüber Kunden.

Mit den offiziellen FAQ hat die Europäische Kommission erstmals viele offene Fragen beantwortet und einen deutlich klareren Einblick gegeben, wohin sich das System entwickelt.
Gleichzeitig bleibt noch vieles offen. Die konkreten Anforderungen für Textilien stehen noch aus. Genau deshalb lohnt es sich, das Thema heute ohne Hektik anzugehen.
Unser Rat lautet deshalb:
Unternehmen, die diese Fragen heute beantworten können, werden morgen deutlich entspannter auf neue Anforderungen reagieren.
Und genau darum geht es letztlich beim Digital Product Passport: Nicht darum, möglichst schnell eine neue Pflicht zu erfüllen. Sondern Informationen so zu organisieren, dass sie entlang des gesamten Produktlebenszyklus einen Mehrwert schaffen.
Der Digital Product Passport (DPP) ist ein sich entwickelndes Thema. Viele Anforderungen werden erst durch zukünftige produktspezifische EU-Regelungen konkretisiert.
Wir beobachten diese Entwicklungen kontinuierlich und aktualisieren unsere Inhalte regelmäßig. Solltest du eine neuere Veröffentlichung der Europäischen Kommission kennen oder Fragen zu einem bestimmten Anwendungsfall haben, freuen wir uns über den Austausch.













