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IN-HOUSE VEREDELN ODER EXTERN VERGEBEN? EINE REALISTISCHE GEGENÜBERSTELLUNG

Die Frage, ob Veredelung intern bleiben oder extern vergeben werden sollte, taucht meist nicht am Anfang auf.

Sie kommt dann, 

  • wenn Stückzahlen steigen.
  • wenn Kollektionen häufiger erscheinen.
  • wenn Termine nicht mehr verschiebbar sind.

Solange Mengen überschaubar sind, Materialien konstant bleiben und der Zeitdruck gering ist, funktioniert In-House-Veredelung in vielen Fällen gut. Muster, Prototypen oder kleinere Serien lassen sich schnell umsetzen. Entscheidungen bleiben im Team. Abläufe sind bekannt.

Mit zunehmendem Volumen ändern sich jedoch die Anforderungen. Was bei 500 Teilen stabil läuft, sieht bei 5.000 oder mehreren Drops pro Jahr oft anders aus.


Option 1: In‑House‑Veredelung

2019 09 30 DG 106

Interne Veredelung bedeutet vor allem Nähe zum Prozess. 

Maschinen stehen im eigenen Haus. Anpassungen lassen sich direkt testen. Für Entwicklungsphasen oder kleine Serien ist das ein klarer Vorteil.

Typische Stärken:

  • Muster und sehr kleine Runs können kurzfristig umgesetzt werden
  • Tests und Materialversuche sind flexibel möglich
  • Material- und Arbeitskosten sind unmittelbar sichtbar

Gleichzeitig entstehen mit der Zeit andere Faktoren, die oft erst später relevant werden:

  • Maschinen, Wartung und Schulungen verursachen laufende Fixkosten
  • Qualität zeigt sich teilweise erst nach Wochen (Waschbeständigkeit, Haftung, Farbechtheit)
  • Steigende Stückzahlen erhöhen die Fehleranfälligkeit
  • Technisches Know-how liegt häufig bei einzelnen Personen
  • Nachproduktionen oder Reklamationen belasten interne Ressourcen

In-House-Veredelung scheitert selten am ersten Auftrag. Herausfordernd wird es, wenn mehrere Faktoren gleichzeitig steigen: Volumen, Varianten, Materialien und Zeitdruck.


Option 2: Externe Veredelung

Textile Decoration by dekoGraphics

Die externe Vergabe bedeutet zunächst, einen Prozessschritt abzugeben. Für viele Brands fühlt sich das ungewohnt an.

In der Praxis berichten wachsende Unternehmen jedoch häufig von mehr Planbarkeit – vor allem dann, wenn die internen Strukturen nicht im gleichen Tempo mitwachsen wie das Volumen.

Typische Vorteile:

  • Abläufe bleiben auch bei höheren Stückzahlen stabil
  • Erfahrung mit unterschiedlichen Materialien ist bereits vorhanden
  • Tests und Qualitätsprüfungen sind Teil des Standardprozesses
  • Launch-Termine hängen nicht am letzten Produktionsschritt
  • Das interne Team kann sich stärker auf Design, Marke und Vertrieb konzentrieren

Gleichzeitig entstehen neue Anforderungen:

  • Die Auswahl des richtigen Partners ist entscheidend
  • Prozesse müssen klar definiert sein
  • Kommunikation und Übergaben müssen sauber funktionieren

Externe Veredelung funktioniert nur dann gut, wenn Verantwortung tatsächlich übernommen wird – nicht nur produziert wird.


Warum der Stückpreis oft zu kurz greift

Viele Entscheidungen werden auf Basis des Preises pro Logo getroffen. Der Stückpreis allein bildet jedoch nur einen Teil der Realität ab.

Bei In-House-Lösungen entstehen Kosten vor allem durch:

  • Fixkosten für Maschinen und Personal
  • Ausschuss oder Nachproduktionen
  • interne Zeit, die für Problemlösungen gebunden wird

Externe Modelle machen Kosten meist projektbezogen kalkulierbar. Tests, Setups und Prozesssicherheit sind Teil der Dienstleistung. 

Die wirtschaftlich relevante Frage lautet daher weniger: „Was kostet ein Logo?“ Sondern eher: „Wie hoch ist das Risiko, wenn etwas nicht wie geplant funktioniert?“


Wann In-House sinnvoll bleibt

Interne Veredelung kann dauerhaft gut funktionieren, wenn:

  • Mengen relativ konstant bleiben
  • nur wenige Materialien eingesetzt werden
  • kaum Varianten oder Spezialeffekte notwendig sind
  • ausreichend zeitlicher Puffer vorhanden ist
  • technisches Know-how langfristig gesichert ist

Für viele wachsende Brands treffen diese Bedingungen jedoch nur phasenweise zu.


Hybride Modelle als pragmatische Lösung

Ein Ansatz, der sich in der Praxis bewährt hat:

  • In-House für Muster, Prototypen und interne Tests
  • Extern für Serienproduktionen, Launches und größere Drops

So bleibt Flexibilität erhalten, ohne dass jede Kollektion intern abgesichert werden muss.


Wann externe Unterstützung sinnvoll wird

Externe Veredelung wird besonders relevant, wenn:

  • Launch-Termine verbindlich sind
  • mehrere Materialien oder Techniken parallel eingesetzt werden
  • interne Teams an Kapazitätsgrenzen stoßen
  • Skalierung schneller erfolgt als Prozessentwicklung

In diesen Situationen geht es weniger um Maschinen oder Applikationsbedingungen, sondern um Prozesssicherheit: klare Abläufe, Qualitätskontrollen und saubere Übergaben.

Wie ein solcher Veredelungsprozess strukturiert abläuft, wie Logistik, Lagerung und Versand integriert werden können und wie andere Brands dadurch operative Ruhe gewinnen, haben wir in diesem Beitrag  detailliert beschrieben: Textilien bedrucken: So gelingt dein Projekt.


In-House oder extern – Die eigentliche Entscheidungsfrage

Am Ende ist die Entscheidung weniger ideologisch als operativ. Es geht nicht um „Kontrolle behalten“ oder „Arbeit abgeben“. Es geht darum, welche Struktur die nächste Wachstumsphase am besten unterstützt.

Einfach gesagt: 

  • Wer maximale Nähe zum Prozess braucht und in stabilen Strukturen arbeitet, kann intern bleiben.
  • Wer mit steigender Komplexität, festen Deadlines und wachsendem Volumen arbeitet, braucht vor allem Planbarkeit.

Die entscheidende Frage lautet daher: Ist die aktuelle Struktur auch bei doppeltem Volumen noch stabil?

Wenn diese Frage nicht eindeutig mit Ja beantwortet werden kann, lohnt es sich, externe oder hybride Modelle zumindest zu prüfen.

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Fazit

In-House-Veredelung und externe Vergabe sind keine Gegensätze, sondern zwei unterschiedliche Organisationsmodelle. In frühen oder stabilen Phasen bietet In-House Nähe und Flexibilität.

Mit wachsendem Volumen verschiebt sich der Fokus jedoch oft von Kontrolle hin zu Prozesssicherheit. Für viele mittelgroße Brands ist daher nicht der Stückpreis entscheidend, sondern die Frage nach Skalierbarkeit, Risikoverteilung und operativer Ruhe.

Die richtige Lösung hängt weniger von der Technik ab, sondern davon, wie viel Stabilität die nächste Wachstumsstufe erfordert.

Wenn ihr eure aktuelle Struktur einmal mit Blick auf die nächsten 12–24 Monate reflektieren möchtet, lohnt sich ein offener Austausch über eure konkreten Rahmenbedingungen.

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